Historische Fenster

Neue Stahlprofile für alte Brauerei

Auf dem Gelände der Schultheiss Brauerei im Berliner Ortsteil ­Moabit realisierte die Berliner Gesellschaft High Gain House Investment (HGHI) in Zusammenarbeit mit den Architektenbüros Pechtold (Mall/Neubauten), Rautenbach (Bestand) und Max Dudler (Fassaden Bestand und Neubauten) ein Einkaufs- und Dienstleistungszentrum, das den historischen Bestand integriert. Oberstes gestalterisches Prinzip der Sanierung des Sudhauses und der zahlreichen Einzelgebäude war es, den Charakter des denkmalgeschützten Ensembles zu erhalten. Im wertschätzenden Umgang mit dem Bestand wurden schadhafte Fassadenteile behutsam erneuert und die teils großformatigen Industrieverglasungen mit dem thermisch getrennten Stahlprofilsystem „Janisol Arte 2.0“ von Schüco Stahlsysteme Jansen originalgetreu rekonstruiert. Trotz der thermischen Trennung sind die Profile mit einer Ansichtsbreite zwischen 25 und 40 Millimetern und einer Bautiefe von 60 Millimetern sehr schlank. Entscheidend für die Wahl war zudem die Möglichkeit, auch die historischen Schwingflügel an Sudhaus, Maschinenhaus und Kesselhaus originalgetreu rekonstruieren zu können. Über 450 Elemente, vom kleinen Drehflügel bis hin zur acht Meter hohen Bogenkonstruktion, hat die Jens Schröter Metallbau GmbH aus Baruth für das Projekt hergestellt; den überwiegenden Teil davon mit gebogenen Profilen.

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Instandsetzung, Kirchturn

Neu interpretiert

Bei der Instandsetzung des unter Denkmalschutz stehenden Kirchturms der Berliner Kirche St. Judas Thaddäus gingen alle Beteiligten neue Wege. Statt die ursprüngliche Optik der Turmoberfläche zu imitieren, zeigt sie jetzt abstrahierte Bibelverse.

In der Nachkriegszeit war Berlin zum Aushängeschild für neue, moderne Architektur geworden. Eine wichtige Rolle spielten in dem Zusammenhang die damals entstandenen Sakralbauten. Eindrucksvolles Beispiel ist St. Judas Thaddäus in Tempelhof, das einzige erhaltene von den insgesamt drei Berliner Kirchenbauwerken des auf katholischen Sakralbau spezialisierten Architekten Reinhard Hofbauer. Mittlerweile zeigten sich am Glockenturm allerdings massive Betonschäden. Die Karbonatisierung der aus heutiger Sicht zu geringen Betondeckung sowie die Bauweise mit Ziegelsplittbeton begünstigten die Korrosion der Stahlbewehrung. Teilweise waren größere Fassadenteile abgeplatzt. Nach dem vom Büro RWP – Beratende Ingenieure für Bauphysik GmbH & Co. KG erstellten Konzept erfolgten die Arbeiten nach dem Instandsetzungsprinzip R (Repassivierung), bei dem der Korrosionsschutz durch die Wiederherstellung des alkalischen Milieus sichergestellt wird. Dabei wurde der Beton zunächst so weit abgetragen, wie er infolge der Korrosion der Bewehrung geschädigt war. Die Oberflächenvorbereitung der Bewehrung erfolgte gemäß DAfStb-Instandsetzungs-Richtlinie. Die Flächen wurden schließlich mit einem drei Zentimeter dicken Trockenspritzmörtel (Beanspruchbarkeitsklasse M”) geschlossen. Um die Dauerhaftigkeit zu gewährleisten, wurde eine zusätzliche Bewehrung aus Carbongewebe eingesetzt. Auf der Ober“äche sollten nach Vorgaben des Landesdenkmalamtes Berlin zunächst die Struktur der Schalungsstöße sowie ein Raster von runden Klarglaseinsätzen nachgebildet werden, was sich jedoch als technisch nicht realisierbar herausstellte. Umgesetzt wurde ein im Büro D:š Architektur in Zusammenarbeit mit dem Berliner Künstler Klaus Zolondowski entwickelter Ansatz einer Neuinterpretation mit abstrahierten Bibelversen, die von den Mitarbeitern der mit der Instandsetzung beauftragten Firma Tarkus IngenieurSanierung GmbH aus Berlin auf die Fassade projiziert wurden. Dabei entstanden kleine, sehr stabile Grate, die, über die gesamte Ober“äche verteilt, einem Verschalungsmuster ähnlich waren und die ursprüngliche senkrechte Gliederung der Fassade aufnehmen. Nach Abschluss der Oberfl“ächengestaltung wurde die Fassade mit Granulat Druckluftstrahlen bearbeitet, um einen leichten Alterungsprozess zu simulieren. Zum Schluss verklebten die Betoninstandsetzer die runden Pressglaslinsen, die sämtlich erneuert wurden.

Die fachgerechte Ausführung der Arbeiten wurde durch eine Eigen- und Fremdüberwachung sichergestellt, die Bedingung bei der Auftragsvergabe war. Fachfirmen mussten bei der Abgabe ihres Angebotes eine entsprechende Eignung nachweisen und die Qualikation der Mitarbeiter und Poliere (zum Beispiel den SIVV-Schein) im Sinne der DAfStb-Instandsetzungs-Richtlinie belegen. Die bauordnungsrechtlich zwingend notwendige Fremdüberwachung wurde durch die dafür anerkannte Prüf- und Überwachungsstelle der Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken durchgeführt, die die Arbeiten positiv beurteilten.

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Wärmeschutz, Denkmalschutz

Für Wärmeschutz und Denkmalschutz

Für die Sanierung einer gründerzeitlichen Fassade war ein Putzsystem auf Naturkalkbasis die einzige Lösung.

Ein viergeschossiges Wohnhaus aus der Gründerzeit in Berlin-Mitte bot nach jahrelangem Leerstand und vernachlässigter Sanierung ein trauriges Bild. „Den Zustand konnte man getrost als marode bezeichnen“, erklärt der Projektleiter vom planenden Büro Bruno Fioretti Marquez Architekten aus Berlin. Im Zeitraum von anderthalb Jahren wurde das Gebäude entkernt und modernisiert. Eine der größten Herausforderungen lag in der denkmalgerechten Gestaltung der Fassade unter Berücksichtigung der Au‹agen der Energieeinsparverordnung. Es musste eine Lösung gefunden werden, die sowohl die Anforderungen der Energieeinsparverordnung als auch die des Denkmalschutzes erfüllte. Letzterer machte zur Aufl‹age, die Laibungen so wenig wie möglich zu vertiefen und gestalterisch Bezug zum abhandengekommenen Fassadendekor zu nehmen. Mit einem Wärmedämmverbundsystem wären jedoch die geplanten prismatischen Prägungen zur vertikalen Gliederung und Akzentuierung von Faschen nicht möglich gewesen. Da bei solchen Fassaden oft Spannungen auftreten, schieden auch herkömmliche Sanierputze wegen ihres Zementanteils aus. Die Lösung war ein rein mineralisches Sanierputzsystem auf Naturkalkbasis des Schweizer Herstellers Haga, das aus fünf Komponenten besteht: Bio-Grundputz als Spritzbewurf, bis zu fünf Zentimeter Isolierputz „Biotherm“ in einem Arbeitsgang, Einbettmörtel mit Armierungsgewebe, zwei Zentimeter Modellierputz in zwei Lagen (mit Prägungen) und Calkosit Schlussbeschichtung. Mit dem Putzaufbau konnte der erforderliche U-Wert erreicht werden. Der lag vor der Sanierung bei 1—,18—˜ W/mšK. Beim Außenmauerwerk zur Straßenseite ließ sich der UWert mit einem ›œ30 Millimeter dicken Isolierputz auf 0œ,78ž˜ W/mšK reduzieren und auf der Hofseite wurde mit Ÿœ60 Millimeter Isolierputz ein U-Wert von œ0,59 W/mšK erreicht. Die Kombination des Isolierputzes mit dem Kalk-Modellierputz ermöglichte es zudem, die typischen Fassadenprägungen mit bis zu zwei Zentimetern Tiefe herzustellen.

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