Dämmung

Wärmebrücken-Killer

Die neue Produktfamilie „Sconnex“ von Schöck reduziert durch ihren hohen Dämmeffekt die konstruktiven Wärmebrücken an Stahlbetonwänden und -stützen sowie Mauerwerk auf ein Minimum. Damit lässt sich laut Hersteller erstmals eine durchgehende Wärmedämmebene um das Gebäude planen. Der „Typ W“ für Stahlbetonwände wird auf Geschossdecken beziehungsweise Bodenplatten am Wandfuß oder unterhalb von Geschossdecken am Wandkopf eingesetzt. Die Kraftübertragung erfolgt über ein Drucklager aus ultrahochfestem Faserbeton, das sehr hohe Kräfte auf kleinster Fläche aufnehmen kann. Auf diese Weise wird die konstruktive Wärmebrücke extrem effektiv gedämmt und die daraus resultierende Erhöhung der Oberflächentemperatur der Wand ermöglicht eine tauwasser- und schimmelpilzfreie Lösung. Dadurch kann zudem die sonst notwendige und unattraktive Flankendämmung an den Wänden komplett entfallen. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert der „Typ P“ für Stahlbetonstützen. Auch hier wird durch die niedrigen Wärmeleitfähigkeiten der Produktkomponenten der Wärmestrom durch die Stahlbetonstütze erheblich reduziert und die Flankendämmung kann eingespart werden. Das ermöglicht zugleich auch eine Ausführung der Stützen in Sichtbetonoptik. Eine Zulassungserteilung vom Deutschen Institut für Bautechnik (DIBt) wird im zweiten Quartal 2021 erwartet. Die Typen W und P sind vom Passivhaus Institut als Passivhaus-Komponente zertifiziert; der Typ P ist bislang die einzige ­Lösung für Stützenanschlüsse.

Der bisher als „Novomur“ bekannte „Typ M“ der Sconnex-Produktfamilie ist ein energiesparender Kimmstein, der für die ­Sockeldämmung von Mauerwerkswänden eingesetzt wird. Er dient als erste Steinreihe des Mauerwerks ober- oder unterhalb von Geschossdecken oder ­Bodenplatten. Neben der Reduzierung der Wärmebrücke in diesem Bereich verhindert das nach DIN 4108 wasserabweisende Element, dass Feuchtigkeit während der Bauphase oder durch angrenzendes Erdreich in die Wand eindringt. Feuchtebedingte Schäden und erhöhte Wärmeverluste werden so ­vermieden.

www.schoeck.de

Weißbeton

Kirow-Werke in Leipzig

In Leipzig hat Oscar Niemeyer mit einer Kugel aus Beton und Glas ein spektakuläres Vermächtnis hinterlassen. Kernstück des kurz vor seinem Tod im Jahr 2012 angefertigten Entwurfs ist eine Skulptur in Form einer Kugel, die auf dem Dach der Leipziger Kirow-Werke sitzt. Der geschäftsführende Gesellschafter des Herstellers von Eisenbahnkränen Ludwig Koehne hatte sich als Bewunderer der Niemeyer-Architektur 2011 an den Altmeister per Brief gewandt und die Bauaufgabe geschildert: Es sollte ein „kurvig“ geformter Speise- und Tanzsaal auf dem Kantinengebäude entstehen. Sein Wunsch fand in Brasilien Gehör und im Juli 2020 wurde Eröffnung gefeiert. Realisiert wurde die im Durchmesser zwölf Meter große Kugel durch den Leipziger Architekten Harald Kern.

Herausfordernd dabei war nicht nur die Planung der überaus schwierigen Schalung, sondern auch die Herstellung des Betons. Ausgeschrieben war die Ausführung in weißem Sichtbeton der Klasse SB 4. Demnach sollte die Kugel so glatt und so weiß wie möglich werden. Nach zahlreichen Versuchen und der Produktion diverser Farbmuster wurde ein reiner, eigens für das Projekt eingefärbter Weißbeton der Festigkeitsklasse C 30/37 in der Konsistenzklasse F5 mit dem Portlandzement „Face“ von Dyckerhoff Weiss eingesetzt. Bei der Herstellung des Betons durch Berger Beton aus Passau war die zielgenaue Verwendung aller Komponenten entscheidend. Darüber hinaus musste der Beton so in die 20 Zentimeter dünne Kugelschale eingebaut werden, dass keine Fehlstellen entstanden.

Eine weitere Herausforderung bestand in der Fertigung und dem Einbau der kurvenförmigen Glasaugen in die Kugel. Die verwendeten Flüssigkristallfenster lieferte das Darmstädter Chemie- und Pharmaunternehmen Merck. Die bereits bei Displays in Elektronikgeräten etablierte Technologie bewirkt in den sogenannten schaltbaren Architekturverglasungen des Herstellers einen Sonnenschutz binnen weniger Sekunden, wobei Transparenz und Farbneutralität der Gläser erhalten bleiben.

www.dyckerhoff.com

Abdichtung

Wasser- und ölabweisende Imprägnierung für Fassaden

Bewitterung und andere Umwelteinflüsse hinterlassen bekanntlich an strukturierten und dazu noch hellen Sichtbetonfassaden deutliche Spuren. Solche Verunreinigungen lassen sich jedoch mit einer speziellen Behandlung vermeiden. Ein Beispiel ist das Bauhaus Museum Weimar. Damit die Weißbeton-Fassade dauerhaft ihre Strahlkraft behält, wurde sie mit „faceal Oleo HD“ der PSS Interservice Gruppe mit Sitz in der Schweiz geschützt. Diese Hochleistungs-Imprägnierung geht eine feste Verbindung mit dem Beton ein und senkt die Oberflächenspannung so weit ab, dass weder wasserbasierte, organische Verschmutzungen noch Wachse, Siloxane oder öl- und fettbasierte Bestandteile in den mineralischen Untergrund eindringen können. Man spricht hier von einer hydrophoben (wasserabstoßenden) und einer oleophoben (ölabstoßenden) Wirkungsweise.

Weil faceal Oleo HD keinen oberflächlichen Film bildet, bleibt die typische Optik und charakteristische Haptik der mineralischen Untergründe erhalten. Auch die Wasserdampfdiffusionsfähigkeit wird nicht eingeschränkt. Bei strukturierten oder profilierten Betonfassaden ergeben sich zudem oft Teilflächen, die durch Regen regelrecht sauber gewaschen werden, andere Bereiche aber nicht. So besitzt das Bauhaus Museum Weimar für die nächtliche Beleuchtung durch LED-Streifen umlaufende horizontale Kanten. Sollte der Regen diese Bereiche nicht erreichen, lässt sich der imprägnierte Untergrund im Bedarfsfall leicht reinigen. Gleichzeitig ist die Betonfassade auch gegen Graffiti geschützt.

www.pss-interservice.de

Weinhandlung

Mit Ortbeton und Fertigteilen

In der gesichtslosen Peripherie des Stuttgarter Ostens entlang der B 14 entwarfen Hippmann Architekten mit der Online-Weinhandlung „club traube“ eine reduzierte und wirtschaftliche Lösung mit Beton, die gerade deshalb eine Land­marke setzt. Der Standort wurde bewusst gewählt. Das etwa 3.000 Quadratmeter große Grundstück entsprach in puncto Zufahrt und Größe den Anforderungen an das Gebäude mit Büroarbeitsplätzen, Lager, Logistik und Verpackung am besten. Der gestalterische Anspruch bestand darin, dem nichtssagenden Umfeld etwas entgegenzusetzen, ohne es zu ignorieren.

Bei der Entwurfsplanung untersuchten die Architekten zunächst drei verschiedene Bauweisen: Industriebau in Metall sowie die Ausführung in Holz oder Beton. „Da bei dem Grundstückszuschnitt eine Grenzbebauung notwendig war, musste eine Brandwand zum benachbarten Grundstück errichtet werden. Aus diesem Grund mussten wir dann ziemlich schnell die Alternativen in Holz und auch in Stahl ausschließen“, resümiert Marco Hippmann. Aus wirtschaftlichen Gründen entschied man sich für Beton-Fertigteile und Ortbeton – alles von der Franz Traub GmbH & Co. KG aus Aalen-Ebnat produziert und ausgeführt.

Materialien, Farben und Öffnungen wurden bei dem Gebäude auf ein Minimum reduziert, um den Fokus auf das Produkt Wein und das Unternehmen zu richten. Aus Kostengründen wählte man zudem den Standardbeton des Herstellers, dessen unauffälliger Grauton (RAL 7032) sich dem äußeren Umfeld anpasst. Als einziges Design­element weist an der Fassade der Schriftzug „club traube“ in Messing-Buchstaben auf die Nutzung hin. Die Sichtbetonflächen im Inneren bilden die Schalung ab.

Herzstück ist der 7,50 Meter hohe Wein-Raum, in dem die Verkostungen an einem langen Holztisch stattfinden. Der puristisch gestaltete Ort bietet 30 bis 100 Personen Platz und wird frei vermietet, denn Räume in vergleichbarer Größe sind in Stuttgart rar. Eine Eigenschaft des Betons, von dem die Menschen und der Wein gleichermaßen profitieren, ist seine gute Speicherfähigkeit. Besonders an heißen Tagen sorgen die großen Betonmassen für erträgliche Raumtemperaturen. Außerdem erfordert die Lagerung von Wein ein gewisses Temperaturfenster, in dem Schwankungen nur langsam verlaufen dürfen, um die Qualität des Produktes nicht zu gefährden. Auch diesen Anspruch erfüllt der Neubau – und das ganz ohne technische Kühlung.

www.beton.org

Abdichtung

REGENSBURGER STEILVORLAGE

Für das Gelände der ehemaligen Wurstfabrik Ostermeier am Donaumarkt mitten in der Regensburger City plante das Berliner Architekturbüro Lorenzen Mayer Architekten ein Wohnquartier, das sich feingliedrig in die historische Altstadt einfügt. Zuvor hatte der Eigentümer des Grundstücks und Investor Peter Trepnau zu einem Architektenwettbewerb geladen. Professor Carsten Lorenzen mit Lehrstuhl für Wohnbauten hatte als Einziger der zehn Teilnehmer keinen Solitär vorgeschlagen. Sein Siegentwurf für das Ostermeier-Quartier punktete mit zehn Einzelhäusern mit Steildächern, die ein Karree bilden und einen Innenhof umschließen. Eine weitere Gliederung erfolgt durch vier unterschiedliche Haustypen in verschiedenen Größen und eine lebendige Dachlandschaft mit Terrassen und Gauben sowie Loggien und Balkonen.

Die noch nackte Betonunterkonstruktion – der „Sargdeckel“

Die Steildächer wurden in erster Linie aus Brandschutzgründen in Massivbauweise ausgeführt. Gleichzeitig bieten die Massivdächer aber auch einen guten Schutz gegen Außenlärm und einen guten Wärmeschutz im Sommer und im Winter. Um den KfW-70-Standard zu erfüllen, wurde eine Aufdachdämmung aufgebracht. Die Entscheidung fiel hier zugunsten der Systemlösung von Bauder, bestehend aus einem Bitumenvoranstrich, einer kaltselbstklebenden Elastomerbitumenbahn als Witterungsschutz und einer Dampfbremse sowie 140 Millimeter dicken BauderPIR-SF-Wärmedämmelementen (WLS 023).

Über die Dampfsperre BauderTEC KSA wird das Wärmedämmelement BauderPIR aus Polyurethan-Hartschaum verlegt.

Die Befestigung der Dämmung zusammen mit der Konterlattung direkt im Beton mithilfe einer speziellen Verschraubung stellt eine Besonderheit dar. Diese direkte Verschraubung erspart Schubbohlen oder Hilfssparren, die die Wärmedämmschicht unterbrechen würden. Die statische Lastabtragung erfolgte nach den Berechnungen der Anwendungstechnik des Herstellers. Da auf den Dachlandschaften mit Neigungen zwischen 45 und 65 Grad unterschiedliche Schubkräfte wirken, gab es auch unterschiedliche statische Berechnungen. Um dennoch auf den vielen verschiedenen Dachflächen alles einfach zu halten, wurden unter Zugrundelegung des statisch ungünstigsten Falls die Berechnungen vereinheitlicht. Die Verschraubung der speziellen Befestiger erfolgte mit Musterschablonen. Auf die Konterlatten folgten wie üblich die Dachlatten, auf die eine zum Stadtbild passende Biberschwanzdeckung verlegt wurde.

www.bauder.de

Bodenbelag

FLIESEN IN BETONOPTIK

Der italienische Fliesenhersteller Ceramiche Refin bietet verschiedene Kollektionen an, die den puristischen Look und die haptischen Eigenschaften von Beton nachempfinden. Von großen Farbkontrasten bis zu sanften wolkenartigen Musterungen – die Fliesen unterstützen jedes Interieur mit einer schlichten, modernen Note. Während zum Beispiel bei der Serie „Craft“ betontypische Schatten, Spachtelungen und Schleier hervorgehoben werden, präsentiert sich die Serie „Design Industry“ mit zwei verschiedenen Oberflächen im Used-Look – eine davon basiert auf oxidiertem Metall. Besonders authentisch wirken die Betonimitationen bei dem Großformat mit der Abmessung 120 mal 278 Zentimeter durch die wenigen Fugen.

www.refin-fliesen.de

Anstrich für Beton

Tiefes Schwarz

Der für seine mineralischen Produkte bekannte Hersteller Keimfarben bietet Liebhabern dunkler Fassaden jetzt einen deckenden Anstrich für Betonoberflächen in fünf tiefen Schwarztönen an. „Concretal-Black“ ist eine Sol-­Silikatfarbe, die eine matte und natürliche Oberfläche erzeugt und den Charakter des Betons erhält. Sie basiert auf lichtechten, UV-stabilen Pigmenten. Zur Auswahl stehen fünf verschiedene Farb­nuancen: „Purity“ ist ein reines Schwarz mit grafischer Wirkung, „Forest“ ist ein sattes Schwarz mit einem Hauch Grün, das einen leicht mystischen Eindruck erwecken soll. „Pearl“ – von Tahitiperlen inspiriert – ist ein edles Schwarz mit blauem Akzent. Bei „Aurora“ schwingt das harmonische Rot der aufgehenden Sonne mit und „Eclipse“ ist ein mit ­zarten Gelbtönen akzentuiertes Tiefschwarz.

www.keim.com

Beton

Ultraleichte Carbon-Bewehrung

Die neue Bewehrungsmatte aus Carbonstäben „Q27/27-CCE-68“ des Herstellers textiler Bewehrungen Solidian wiegt durch die vergrößerte Öffnungsweite von knapp 70 mal 70 Millimetern nur 140 Gramm pro Quadratmeter. Durch die große Maschenweite kann sie für Beton mit einem Größtkorn von bis zu 16 Millimetern verwendet werden und eignet sich so für Hochleistungs- und Standardbetone. Ihre Tragfähigkeit entspricht die der gängigsten Baustahlmatte „Q188“. Da Carbon nicht rostet, fällt die Betonüberdeckung allerdings deutlich geringer aus. Aktuell ist eine Mattengröße von 2,5 mal 8,0 Metern verfügbar. Ab Ende des Jahres wird die Carbonmatte auch als Rollenware von drei bis 100 Metern Länge hergestellt werden.

www.solidian.com

Erodierende Intervention

Der Künstler Martin Bruno Schmid hat fünf tragende Betonstützen am neuen Geo- und Umweltforschungszentrum in Tübingen durchschnitten, um die Grenzen der Belastbarkeit fragiler Systeme zu thematisieren.

Die Gegend um die Tübinger Morgenstelle hat sich in den letzten dreißig Jahren radikal verwandelt. Wo früher Obstbaumwiesen ein einzelnes modernes Klinikum umsäumten, bedeckt nun ein mäandernder Campus die Landschaft. An diesem Standort entsteht nach Plänen des niederländischen Architekturbüros KAAN Architecten das neue Geo- und Umweltforschungszentrum (GUZ) der Universität Tübingen. Für den öffentlichen Bau hat das Land Baden-Württemberg als Bauherr einen Kunst-am-Bau-Wettbewerb ausgeschrieben, den Martin Bruno Schmid mit seiner Arbeit „Bohrschnitt, prekär“ gewonnen hat. Der Künstler schuf mit senkrechten Sägeschnitten durch die tragenden Betonsäulen im Foyer ein eng mit dem Gebäude und seiner Bestimmung verknüpftes Werk, das den heiklen Zustand unserer Natur und Zivilisation symbolisieren soll.

Die Arbeit an den Betonsäulen im Rohbau ähnelt klassischen Bearbeitungsweisen von Steinmetzen und assoziiert gestaltende Bildhauerei, gleichzeitig verweisen die Steinbruchtechniken auf die Erdbohrungen und Abspaltungen im Fels, die moderne Geo­wissenschaftler zur Erkundung der Erde vornehmen. Indem der Künstler durch seine erodierende Intervention gemeinsam mit den Statikern und Bauausführenden an die Grenzen der Belastbarkeit der tragenden Säulen geht, versinnbildlicht er auch die Art der Zusammenarbeit, die heute von hochkomplexen Prozessen verlangt wird. Die Realisierung von „Bohrschnitt, prekär“ konnte nur im gegen­seitigen Vertrauen einer interdisziplinären Zusammenarbeit der unterschiedlichsten Fachleute erfolgen.

„Bohrschnitt, prekär“ von Martin Bruno Schmid: Kunstobjekt sind die fünf tragenden Säulen am Haupteingang des GUZ, die durch senkrechte Sä- geschnitte „gespalten“ wurden.

Martin Bruno Schmid hatte in die Entwurfszeichnungen Schnitte skizziert, deren jeweilige Länge, Lage und Ausrichtung sich erst im Verlauf des Bauprozesses bestimmen ließen. Zunächst musste an jeder Säule statisch berechnet werden, bis zu welchem Punkt die Grenzen der Belastbarkeit ausgereizt werden konnten. Nun lässt sich auch visuell ablesen, wie die Lasten verteilt sind. Je größer sie waren, desto kürzer fiel der Schnitt aus. Die Statiker mussten bis ans rechnerische Maximum gehen, an ihre Vorgaben hatte sich der Künstler zu halten. Das beinhaltete auch, dass die Bewehrung im Innern der Säulen nicht tangiert werden durfte, was sich auf die Positionierung der Schnitte auswirkte. Beim Rohbau hielt sich das Unternehmen Riedel Bau exakt an den Schalungsplan und folgte einer Orientierungshilfe der Statikerin, mit dem Stoß der Schalung die Stellung der innen liegenden, vertikalen Bewehrungsstäbe zu markieren. So konnte die erste spannende und heikle Kernbohrung ohne Gefahr ausgeführt werden. Ein eigens für diesen Zweck gefertigter Bohraufsatz fräste im Kronengehäuse 32 Millimeter dicke Proben aus der Betonsäule, die an Grabungsproben von Geowissenschaftlern oder an Probewürfel von Betontechnologen erinnern. Diese Kernbohrungen erfolgten im Abstand von wenigen Zentimetern und schufen die Ansatzpunkte zur Linienführung einer diamantbesetzten Seilsäge, mit der das Unternehmen Betontrenn den vertikalen Schnitt in einer Stärke von zwölf Millimetern ausführte.

www.beton.org

Instandsetzung, Kirchturn

Neu interpretiert

Bei der Instandsetzung des unter Denkmalschutz stehenden Kirchturms der Berliner Kirche St. Judas Thaddäus gingen alle Beteiligten neue Wege. Statt die ursprüngliche Optik der Turmoberfläche zu imitieren, zeigt sie jetzt abstrahierte Bibelverse.

In der Nachkriegszeit war Berlin zum Aushängeschild für neue, moderne Architektur geworden. Eine wichtige Rolle spielten in dem Zusammenhang die damals entstandenen Sakralbauten. Eindrucksvolles Beispiel ist St. Judas Thaddäus in Tempelhof, das einzige erhaltene von den insgesamt drei Berliner Kirchenbauwerken des auf katholischen Sakralbau spezialisierten Architekten Reinhard Hofbauer. Mittlerweile zeigten sich am Glockenturm allerdings massive Betonschäden. Die Karbonatisierung der aus heutiger Sicht zu geringen Betondeckung sowie die Bauweise mit Ziegelsplittbeton begünstigten die Korrosion der Stahlbewehrung. Teilweise waren größere Fassadenteile abgeplatzt. Nach dem vom Büro RWP – Beratende Ingenieure für Bauphysik GmbH & Co. KG erstellten Konzept erfolgten die Arbeiten nach dem Instandsetzungsprinzip R (Repassivierung), bei dem der Korrosionsschutz durch die Wiederherstellung des alkalischen Milieus sichergestellt wird. Dabei wurde der Beton zunächst so weit abgetragen, wie er infolge der Korrosion der Bewehrung geschädigt war. Die Oberflächenvorbereitung der Bewehrung erfolgte gemäß DAfStb-Instandsetzungs-Richtlinie. Die Flächen wurden schließlich mit einem drei Zentimeter dicken Trockenspritzmörtel (Beanspruchbarkeitsklasse M”) geschlossen. Um die Dauerhaftigkeit zu gewährleisten, wurde eine zusätzliche Bewehrung aus Carbongewebe eingesetzt. Auf der Ober“äche sollten nach Vorgaben des Landesdenkmalamtes Berlin zunächst die Struktur der Schalungsstöße sowie ein Raster von runden Klarglaseinsätzen nachgebildet werden, was sich jedoch als technisch nicht realisierbar herausstellte. Umgesetzt wurde ein im Büro D:š Architektur in Zusammenarbeit mit dem Berliner Künstler Klaus Zolondowski entwickelter Ansatz einer Neuinterpretation mit abstrahierten Bibelversen, die von den Mitarbeitern der mit der Instandsetzung beauftragten Firma Tarkus IngenieurSanierung GmbH aus Berlin auf die Fassade projiziert wurden. Dabei entstanden kleine, sehr stabile Grate, die, über die gesamte Ober“äche verteilt, einem Verschalungsmuster ähnlich waren und die ursprüngliche senkrechte Gliederung der Fassade aufnehmen. Nach Abschluss der Oberfl“ächengestaltung wurde die Fassade mit Granulat Druckluftstrahlen bearbeitet, um einen leichten Alterungsprozess zu simulieren. Zum Schluss verklebten die Betoninstandsetzer die runden Pressglaslinsen, die sämtlich erneuert wurden.

Die fachgerechte Ausführung der Arbeiten wurde durch eine Eigen- und Fremdüberwachung sichergestellt, die Bedingung bei der Auftragsvergabe war. Fachfirmen mussten bei der Abgabe ihres Angebotes eine entsprechende Eignung nachweisen und die Qualikation der Mitarbeiter und Poliere (zum Beispiel den SIVV-Schein) im Sinne der DAfStb-Instandsetzungs-Richtlinie belegen. Die bauordnungsrechtlich zwingend notwendige Fremdüberwachung wurde durch die dafür anerkannte Prüf- und Überwachungsstelle der Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken durchgeführt, die die Arbeiten positiv beurteilten.

www.betonerhaltung.com

Technik: Produkte

Eigenheim-Experiment

Außenwände aus Infraleichtbeton dämmen ein Einfamilienhaus in Bayern und bieten eine ansprechende Optik – außen wie innen

Für sein eigenes Einfamilienhaus in Aiterbach in Bayern suchte der Architekt Michael Thalmair einen Hochleistungsbaustoff, der Tragfähigkeit, Nachhaltigkeit, gute Dämmwerte und eine ansprechende Sichtbetonoptik vereint. Er entschied sich für Infraleichtbeton, der für die Außenwände des Obergeschosses in ­einer Stärke von 50 Zentimetern eingesetzt wurde. Das in den Hang des Grundstücks eingebundene Untergeschoss wurde konventionell aus Stahlbeton errichtet. Zusammen mit dem darüberliegenden Wohnriegel erscheint das Haus wie ein Monolith, der dennoch gut mit der ländlichen Umgebung harmoniert.

In die Hausplanung hat der Architekt viel Energie investiert, denn die Verwendung von Infraleichtbeton, der umgangssprachlich auch Dämmbeton genannt wird, erfordert neben der richtigen Zusammensetzung und viel Erfahrung vor allem eine Zustimmung im Einzelfall (ZiE). Thalmair wandte sich deshalb gemeinsam mit der Baufirma Adldinger an Heidelberger Beton und dessen Prüfstellenleiter Björn Callsen. Außerdem wurden die Experten des Instituts für Werkstoffe des Bauwesens der Universität der Bundeswehr München einbezogen. Professor Karl-Christian Thienel, Leiter des Instituts: „Die Entwicklung einer robusten Rezeptur war sehr komplex; viele Laborversuche waren dafür notwendig.“ Das Gemisch war anfangs nicht stabil. Außerdem betrug die Fahrzeit vom Transportbetonwerk zur ­Baustelle fast 90 Minuten, weshalb eine ausreichend lange Verarbeitbarkeit sichergestellt sein musste. Und weil das Trennmittel großen Einfluss auf die Oberflächeneigenschaften hat, testete man im Labor und mit Probekörpern in Originalwandhöhe von vier Metern so lange, bis die geeignete Mischung gefunden war.

Der letztendlich eingesetzte Infraleichtbeton besitzt eine Rohdichte von nur 700 kg/m³ bei einer Druckfestigkeit von >8 N/mm². Die Einbaukonsistenz hatte ein Verdichtungsmaß von C4. Um eine niedrige Wärmeleitfähigkeit von Lambda <0,185 W/mK zu erzielen, wurden ein Blähglasgemisch (Liaver), Blähton (Liapor) sowie ein fein abgestimmtes System aus Zusatzmitteln und Zusatzstoffen und ein spezielles Zement- und Bindemittel­gemisch zugesetzt. Damit gelang es den Experten, die Rezeptur auf die zu erwartende Hydratationswärmeentwicklung in den 50 Zentimeter starken Wänden abzustimmen. Zusätzlich wurde der Frischbeton durch Zugabe von Scherbeneis gekühlt. Das aus Infraleichtbeton erstellte Gebäude ist buchstäblich aus einem Guss. Dadurch entstehen im Sichtbeton kaum ­Fugen. Wegen der geringen Trockenrohdichte unterhalb 800 kg/m3 und des hohen Porengehalts ist die Wärmedämmung hoch und außerdem ist das Material voll recyclingfähig. Auch die Baukosten in Höhe von etwa 400.000 Euro (KG 300 + 400) blieben aus Sicht des Architekten im Rahmen.