GRAPHISOFT Deutschland GmbH

Modellierungsrichtlinien: Essenziell in jeder BIM-Planung

Interdisziplinäre Zusammenarbeit ist heute in fast jedem Bauvorhaben und unabhängig von der Projektgröße gefordert. Um sie zu ermöglichen, sind übergreifende Projektstandards notwendig. Einer der wichtigsten sind gemeinsame Modellierungsrichtlinien. Sie stellen u.a. sicher, dass die im Bauvorhaben eingesetzten Softwarelösungen die Planungen und Modellinformationen korrekt interpretieren. 

Der Nutzen der Modellierungsrichtlinie liegt aktuell vor allem in einem verbesserten Projektablauf im eigenen Büro, stellt Architekt Guido Höfert, Partner im Büro HHS Planer+Architekten AG aus Kassel, heraus: „Aus der Modellierungsrichtlinie, die uns die BIM-Planungssoftware Archicad mitliefert, haben wir eine individuelle Richtlinie entwickelt. Sie ermöglicht uns, strukturiert im BIM-Prozess zu arbeiten sowie individuelle Standards anzuwenden. Darüber hinaus erleichtert sie das Zusammenarbeiten im Büro. Perspektivisch arbeiten wir an einem übergreifenden Standard, auf den wir mit unseren Kooperationspartnern zugreifen können.“

Zukünftig sind Standards notwendig
Für die Zusammenarbeit mit externen Planungspartnern existiert keine allgemeingültige Modellierungsrichtlinie, was der noch jungen digitalen Planungsmethode geschuldet ist. Das wird sich jedoch bald ändern, glaubt Oliver Sommer, Geschäftsführer bei stereoraum Architekten: „Seit vielen Jahrzehnten haben wir beispielsweise eine Planzeichenverordnung, mit der jeder ausgebildete Bauzeichner, Planer, Architekt und Fachhandwerker bestens vertraut ist. Solche Standards werden mit BIM ebenfalls kommen.“

Verschiedene BIM-Planungsprogramme bieten bereits Modellierungsrichtlinien. Erfahrene BIM-Architekten und Softwarehersteller wie GRAPHISOFT setzen auf Richtlinien zur Modelierung, die den hersteller- und softwareneutralen Open BIM Prozess, insbesondere das wichtigste Austauschformat IFC, verankern. So ist ab dem ersten Entwurf gewährleistet, dass die Zusammenarbeit aller Partner im weiteren Prozess möglichst einfach funktioniert.

Individuelle Modellierungsrichtlinie ableiten
Soweit die Theorie. Doch was umfasst eine individuelle Richtlinie? Oliver Sommer von stereoraum Architekten: „Wir haben die Archicad-Modellierungsrichtlinie angepasst und ergänzt. Wir schreiben in ihr für jedes dreidimensionale Element fest, wie und mit welchem Werkzeug es zu modellieren und zu benennen ist. Die Modellierungsrichtlinie umfasst außerdem die Geometriequalität des Gebäudemodells und in welchen Leistungsphasen und Bearbeitungsstufen – also Entwurf, Ausführungsplanung etc. – welche Genauigkeit und LOI (Level of Information) enthalten sein sollen. Für uns gilt dabei ein Grundsatz aus unseren frühen Tagen in der 3D-Modellierung: Wir modellieren so, wie tatsächlich gebaut wird. Also entsteht in der Planungsphase ein genaues, digitales Gebäudeabbild. Das heißt aber nicht, dass wir aufwendigst baubegleitend planen. Es ist eher so, dass das digitale Modell möglichst früh eine große Übereinstimmung mit dem was wir bauen wollen, bekommen soll.“

Den Gebäudelebenszyklus stärker verankern
Der Gebäudelebenszyklus gewinnt für die Planung stetig an Bedeutung. Denn Bauen erfordert Unmengen an Rohstoffen, die möglichst zu 100% wieder in den Wertstoffkreislauf zurückfließen sollen. Eine bauteilorientierte Planung unterstützt dieses Ziel. Mit ihr lassen sich die im Gebäude verbauten Materialien erfassen, deren technische Eigenschaften und stoffliche Zusammensetzung hinterlegen und Informationen zur Pflege, Wartungsintervallen oder Austauschzyklen für technische Komponenten dokumentieren.

Guido Höfert von HHS Planer+Architekten erkennt diese Vorteile, macht aber deutlich: „Den Nutzen sehen wir bisher nur bei uns, vor allem für das interne Qualitätsmanagement. Weiter entwickelte oder gepflegte Modelle, die in Richtung digitaler Zwilling oder die Überführung in das Facility Management gehen, werden von unseren Bauherren derzeit nicht gewünscht. Jedenfalls nicht mehr ab dem Moment wo klar wird, dass die Einarbeitung weiterer Attribute und die Modellverfeinerung mit zusätzlichen Planungsleistungen verbunden ist, die entsprechend honoriert werden müssen. Unabhängig davon wollen wir in unsere Modellierungssoftware Tools integrieren, die z.B. die CO2-Bilanz des Gebäudeentwurfes ermitteln. Darin sehen wir eine weitere Steuerungsmöglichkeit für die Planung nachhaltiger Gebäude.“

Ein ähnliches Bild zeichnet Oliver Sommer, der in seiner Modellierungsrichtlinie unter anderem detaillierte Anforderungen zur Informationstiefe der Bauteile verankert: „Was den Gebäudebetrieb betrifft, sind die Anforderungen durch die Auftraggeber bisher gering. Dennoch ist es für uns wichtig, dass wir in den LOI fixieren, welches Produkt verarbeitet wurde. Zum Beispiel erfassen wir, welches Linoleum von welchem Hersteller verbaut ist oder welche Fliesen mit welchen Dekoren. Ebenso muss klar sein, was an Gebäudetechnik verbaut wurde. Dieses Vorgehen ist sehr nützlich für uns, denn wenn unser Bauherr nach einigen Jahren erneut mit uns etwas umbauen oder erweitern will, sind alle wichtigen Daten im Gebäudemodell bereits vorhanden. Dazu halten wir ebenso unsere Fachplaner an. Denn diese Informationen werden in der Zukunft für den Gebäudebetrieb wichtiger werden.“

Autor: Tim Westphal, Berlin.

Weitere Weitere Informationen zum Thema Modellierungsrichtlinien in Archicad finden Sie hier.