Paul Bauder GmbH & Co.KG

Die flachen Dächer der Weißenhofsiedlung

Firma Bauder liefert bereits 1927 die Flachdachabdichtung für verschiedene Weißenhofbauten. 1984 die Dachabdichtung für die Sanierung z.B. der Reihenhäuser von Mart Stam.

Heutzutage befremdet es niemanden mehr, wenn Häuser keine steilen Dächer haben. Alle haben sich an diesen Anblick gewöhnt und auch die technischen Möglichkeiten, das Eindringen von Wasser ins Haus zu verhindern, sind heute gegeben.

Der Beginn dieser Entwicklung liegt ca. 110 Jahre zurück, und in der Weißenhofsiedlung haben wir einen Meilenstein dieses neuen Bauens.

Daher sollen die

1 künstlerischen und
2 die technischen Aspekte des Flachdachs, das bis in unsere Zeit zu Auseinandersetzung führt, erläutert werden.

1 Die Weißenhofsiedlung wurde von der Stadt Stuttgart in den Notzeiten nach dem 1. Weltkrieg und nach der Inflation als Programm zur Wohnbaubeschaffung durchgeführt. Das Projekt wurde als Ausstellung vom Deutschen Werkbund vorgeschlagen, der sich um gute Formgebung und zeitgerechtes Wohnen bemühte. Daher hieß die Werkbundausstellung von 1927 „Die Wohnung“, umfasste also thematisch nicht nur die Bauwerke, sondern vor allem die Einrichtungsgegenstände und die technische Bauausführung. Die künstlerische Planung war Aufgabe des Berliner Architekten Mies van der Rohe. Er erstellte ein Modell, aus dem zusammen mit dem Grundriss seine baukünstlerischen Vorstellungen abzulesen sind. Auf dem Stuttgart typischen gemuldeten Hang stellt er die großen, hohen Baumassen in Randlage auf, seinen eigenen Bau wie ein Schild längsseits in die Mitte. Die kleineren Bauten stehen in zwei unregelmäßigen Reihen den Hang abwärts, nicht hintereinander, sondern auf Lücke versetzt. Dadurch ergibt sich eine der reizvollsten Siedlungsanlagen der Zeit, durch Lage und Anordnung gleichermaßen hervorgehoben. Zu bedenken ist freilich, dass die Bauten der Siedlung Mustercharakter haben, d.h. sollten entweder als Baublocks oder als Einzelhäuser aneinandergereiht werden und ihrerseits sehr viel monotonere Siedlungen bilden. Obwohl jeder der sechzehn an der Ausstellung beteiligten Architekten seinen eigenen Beitrag zum moderne Wohne leisten sollte, gab es für alle eine Bedingung: in jedem Fall ein flaches Dach. Diese Forderung ermöglichte es Mies, die auf kubische Form konzentrierten Bauten trotz Vielgestaltigkeit im Einzelnen zu einer differenzierten Gruppe zusammenzufügen.

Bei solcher gleichartigen stereometrischen Form von Hauskörpern würden schräge Dachflächen stören. Durch die linearen Oberkanten der Bauten erreicht der Künstler eine horizontale Linienführung, die wegen der verschachtelten Baumassen nach Höhe und Tiefe unterschieden ist, stark räumlich wirkt und die gesamte Anlage vereinheitlicht. Das ist ein abstraktes Gestaltungsprinzip, das ein neues Stilgefühl schafft, denn der Betrachter ist allein angewiesen auf die Baukunst als einer geistigen Tätigkeit ohne die übliche Ansprache des Gefühls durch Ziegeldächer, Fensterrahmen, Gesimse u.ä. Diese Baukunst ist nicht mehr der Landschaft und der jeweiligen Tradition verhaftet, sondern international.

2 Nachdem die künstlerisch ästhetischen Probleme, also die Frage nach der Form, und der Widerstreit zwischen rationaler und emotionaler Wohn- und Lebensweise angesprochen wurden, zu der jeder mal mehr, mal weniger tendiert, soll die technische Ausführung des flachen Daches behandelt werden. Technische Neuerungen in den Hausbau einzuführen und Industrieteile zu erproben, um für viele preiswerten Wohnraum zu schaffen, war ein wichtiges Anliegen der Weißenhof-Architekten. Da nun schon die Zwischendecken nicht mehr in Holz, sondern mit Bimsbetonbalken ausgeführt wurden, war es nur folgerichtig, die Dächer wie eine Zwischendecke aufzufassen und sie einfach gegen Wetter und Wasser dicht zu machen.

Zwei Werkpläne von Richard Döcker aus Stuttgart zeigen Materialstärken, Dichtungen, Gefälle und den Einlauf in die Regenrinne, dazu Materialangaben. Punkt für Punkt kann an den Plänen die Gestaltung von Wänden und Decken abgelesen werden.

Die Besonderheit ist der weite Dachüberstand, der sich in der Weißenhofsiedlung sonst nicht wiederholt. Mies gestattete diese Form wohl nur wegen der Technik der Holzbauweise. Denn letztlich ist diese betonte Traufe eine Erinnerung an örtliches bauen, die dem Gesamtkonzept fremd war. Gewollt war vielmehr die kubische Form, der deutliche Ausdruck von Klarheit der Form. Ein Dachüberstand musste die reine Linearität  nur stören im Gegensatz zur Linearität, wie sie an den Bauten von Le Corbusier beispielhaft zu sehen ist.Für Le Corbusier hatte das flache Dach sogar einen ökologischen Aspekt. Er meinte die Natur, die in der Stadt besonders gefährdet ist, dadurch zu schonen, dass er sein Haus nicht auf ein tief eingegrabenes Kellerfundament, sondern nur mit einer Platte auf die Erde stellt, die sich unter dem Haus gleichsam unverletzt hindurchzieht. Die Vegetation, die unten verloren geht, verpflanzt er auf den Dachgarten. In ähnlicher Weise machen auch Behrens und Mies die Dächer begehbar. Zu bewundern bleibt der Mut der Architekten, mit Materialien wie Teerpappe und Jute Flachdächer zuverlässig abdichten zu wollen. Aber die mutigen Versuche von damals haben heute zu deutlich besseren Materialien und gesicherten Erkenntnissen über die Dachabdichtung und Wärmedämmung geführt, die bei der teilweisen Sanierung der Dächer der Weißenhofsiedlung dann angewendet wurden und diesen wichtigen Denkmälern des moderne Bauens die Zukunft sichern.

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